Frausein

Jahresendblues oder „Warum Weihnachten eine Frauensache ist“

Jahresende, der letzte Tag des Jahres um genau zu sein. Silvester. Das alte Jahr nimmt Abschied, das neue steht verheißungsvoll in den Startlöchern. Mir fällt dieser Abschied diesmal so gar nicht schwer, lechze ich doch so sehr nach Neuen.

Ich hasse diese Zeit zwischen den Jahren, also den Zeitraum zwischen Weihnachten und Silvester. Noch angereichert mit Festtagsstimmung geht man wieder arbeiten und versucht einen Alltag zu integrieren, obwohl man kurz vor dem nächsten Feiertag steht. Der meiner Meinung nach völlig zu Unrecht einer ist, überbewertet. Neujahr. Warum ist das ein Feiertag und Heiligabend nicht? Gerade in Deutschland ist der Heilige Abend der wichtigste Tag des Jahres, hier kommt schließlich die Familie zusammen, das Ergebnis der langen Suche nach passenden Geschenken kann endlich auf dem Präsentierteller übergeben werden. Und besonders am Heiligabend gibt es noch so viele Vorbereitungen zu treffen. Wie soll man da noch erst arbeiten gehen? Da artet dieser schöne Tag gleich in Stress aus.

Und da wären wir quasi beim Thema meines Artikels. Die Vorbereitungen auf den Tag der Tage, der noch nicht einmal ein Feiertag ist. Beginn: der Tag nach Totensonntag, irgendwann im November. Die Vorweihnachtszeit beginnt und somit der Startschuss für die Frauen, so richtig auszurasten. Insbesondere Mütter laufen in dieser Zeit zur Höchstform an. Alle im Jahr angeeigneten Qualifikationen werden innerhalb der fünfwöchigen Adventszeit nur so abgerufen.

Bei mir waren es dieses Jahr sage und schreibe fünf Keksteige. Natürlich ist das übertrieben und zwar so sehr, dass ich die Plätzchen schon jetzt nicht mehr riechen kann, weil mir sonst schlecht wird. Doch es ist auch die Zeit des Jahres, wo ich einfach mal eine heile Welt haben will. Höre ich den Rest des Jahres täglich die Nachrichten, so sind diese im Dezember nicht für mich existent.

Von Beginn an höre ich nur noch Weihnachtsmusik, schaue Weihnachtsfilme, lese Weihnachtsbücher und meine Garderobe besteht aus Weihnachtskleidung.

So zumindest die Idee. Umgesetzt habe ich das schon, wobei aus Büchern vielmehr ein halbes Buch geworden ist und ich es am Ende kaum abwarten konnte, wieder normale Kleidung anzuziehen. Und auch meine Auswahl aus über 15 Weihnachts-CDs konnte ich, im wahrsten Sinne des Wortes, einfach irgendwann nicht mehr hören. Nur Weihnachtsfilme hab ich leider zu wenig geschaut. Sowieso, bin ich mal wieder viel zu kurz gekommen. Bei alle dem „ich will, dass andere eine schöne Zeit haben“, hab ich mich mal wieder vollkommen vergessen.

Da will man einmal im Jahr ein guter Mensch sein und backt unter anderem für seine Nachbarn, besorgt für die lieben Kollegen Schokoadventskalender, richtet ein Adventssingen im Garten aus (zu dem fast niemand erscheint), versendet weihnachtliche Grußkarten und schickt eben jeder Freundin ein Wichtelgeschenk, weil dieses Jahr das Wichteln ausfällt und was ist der Dank?

Natürlich bedanken sich Freunde, Nachbarn und Kollegen kurz und knapp (die Betonung liegt auf Knapp) und der ein oder andere hat vielleicht gelächelt, was schon ein toller Dank ist, aber so ein Gefühl der Herzenswärme war nicht dabei. Aus 15 Grußkarten habe ich am Ende vier Antwortgrußkasrten erhalten, wobei eine Karte über eine Postkartenwichtelei kam und somit nicht gilt. Und dafür die ganzen Anstrengungen?
Ich erwarte ja grundsätzlich erstmal nix, aber ein „Danke für deine Karte“, kann ich mir dann auch schenken, dafür reiße ich mir nächstes Jahr nicht den Arsch auf.

Sowieso sieht niemand, wieviel Energie und Arbeit man in die Vorbereitungen legt. Und damit bin ich nicht alleine.

Weihnachten ist nach wie vor die Sache der Frauen, wobei es sicher wenige männliche Ausnahmen gibt.

Die Frau schmückt die Wohnung, bastelt oder besorgt Adventskalender und befüllt diese, dekoriert den Adventskranz, backt Kekse, schreibt Grußkarten, richtet Adventstreffen aus, besorgt die Geschenke aller Familienmitglieder und Freunde (auch die des Mannes, der sich nicht einmal Gedanken darüber macht), packt über dies die Geschenke liebevoll ein, sucht den Weihnachtsbaum aus und schmückt diesen, geht mit dem Kind Heiligabend in die Kirche, überlegt sich die Gerichte fürs Weihnachtsessen und bereitet diese womöglich zu, nebenbei natürlich Haushalt, Kindererziehung und die Arbeit. Und falls der gute Herr im Haus noch Wünsche hat, werden diese eben auch erfüllt. Und wer bleibt auf der Strecke: genau, die Frau. Der einzigen Person, der Weihnachten noch wichtig ist und einfach nicht in Stimmung kommt, weil es mal wieder zu stressig ist. Alle Familienmitglieder haben ihren Spaß und genießen die Zeit und die Frau…

Und deswegen setzt bei mir das After-Christmas-Tief oder auch der Jahresendblues ein. Ich hatte ihn schon die Jahre zuvor und auch jetzt holt er mich wieder ein. Dieses Jahr kam er sogar schon früher hereingeschneit, weil Mitte Dezember plötzlich alle krank wurden, der Urlaub abgesagt werden musste und die nicht im Haus lebenden Verwandten ja ohnehin keine große Lust auf Weihnachten haben. Wie soll man denn da positiv gestimmt sein. Und so sitze ich unterm Weihnachtsbaum, erfreue mich dem einzigen Geschenk, was ich erhalten habe, das auch noch defekt ist und kann es kaum abwarten, am 27.12. die Weihnachtsdeko herunterzureißen. Ja und so haben wir Silvester. Von Weihnachten ist nur noch der Baum übrig und die Schatten einer keksgeschwängerten Zeit und man selbst stellt sich die Fragen des Lebens. Man nimmt sich vor, nächstes Jahr zu Weihnachten kürzer zu treten, nicht mehr so viel Zeit für andere zu investieren, obwohl ja genau das die Bedeutung von Weihnachten ist, oder etwa nicht?

Doch was würde ich dafür geben, wenn gute Weihnachtgeister zu mit ins Haus kämen, mir alles schmückten und abnähmen, sodass ich den Weihnachtsfilm oder das gute Buch einfach als solches genießen könnte. Hinzu kommen dann noch die dummen Selbstzweifel und die Fragen ob an diesem Jahr überhaupt etwas gut war. Man ist kurzsichtig geworden, hat noch den Stress im Nacken und vergisst, das jedes Jahr doch gleich ist, mit dem selben Gleichgewicht von gut und schlecht und man selbst dafür verantwortlich ist, der Waage einen kräftigen Tritt in die richtige Richtung zu verpassen.
Nun denn, lasst uns Vorsätze fürs nächste Jahr machen, oder lasst es bleiben. Doch ein neues Jahr hat zumindest den Vorteil, das Gefühl zu übermitteln, frisch und neu anzufangen und sich auch im kommenden Jahr wieder auf die Weihnachtszeit zu freuen, weil man die Gedanken zur letzten Weihnacht wieder vergessen hat oder sich die glänzenden Kinderaugen wieder in Erinnerung ruft.

Euer Herbstmeedchen

Und ihr? Mich würde interessieren, wem es in der Adventszeit so ähnlich geht und ob ihr zum Ende des Jahres auch melancholisch werdet.

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