Gedankengut

Die Schwermütigkeit in der Familie

Ihr Weltschmerz plagte sie bis in ihr Innerstes. Das schwermütige Mädchen saß still in der Ecke und schaute zum Fenster hinaus. Man konnte ihre Verzagtheit über die Mauern hinaus spüren. So muss sich Melancholie anfühlen.

Wusstet ihr, dass Psychosen über Generationen vererbbar sind?
Seelische Krankheiten gibt es nicht erst seit gestern. Schon im frühen Mittelalter sprach man von Geisteskranken. Damals noch, wurden solche Menschen leider nicht behandelt, sondern weggesperrt, gequält und mit ihnen experementiert. Dies ging bis in den zweiten Weltkrieg hinein. Doch auch heute vermag ich nicht sagen, wie es hinter manch einer geschlossenen Anstalt vorgeht, wenn man Dokumentationen a la Team Wallraff glauben darf.

Jedenfalls kann eine psychische Krankheit durch eine Mischung aus vererbten Anlangen und äußerer Faktoren entstehen. Auslöser sind häufig einschneidende Erlebnisse. Hierzu gehören Themen wie Vergewaltigung, Fehlgeburt, Misshandlung, Tod, Drogenkonsum, Arbeitslosigkeit, Existenzverlust, Krankheit, Mobbing etc. Diese Liste könnte ich schier endlos fortsetzen. Aber auch Faktoren wie Hormone durch Verhütungsmittel oder Ruhm und Popularität können durchaus Auslöser einer Psychose sein.
Was ich damit sagen will: es kann jeden treffen. Doch entscheidend ist, wie du veranlagt bist. Wenn du aus einem familiären Umfeld ohne psychiatrischer Vorgeschichte kommst,  und du dadurch gefestigt bist, wirst du den eigenen Autounfall wahrscheinlich besser verarbeiten, wie jemand mit einem psychisch stark beanspruchten familiären Hintergrund, bei dem das ein großes Trauma auslösen wird.

Wie schon in meinem letzten Artikel erwähnt, lebe ich jetzt 13 Jahre bewusst mit meiner seelischen Zerrissenheit. Und ich war mir immer sicher, dass ich die einzige in unserer Familie bin, die eine Elegie an den Tag legt. Doch je mehr ich meine Vergangenheit aufarbeite, desto mehr stelle ich fest, welchen roten Faden der Schwermut in der Familie genommen hat und es ohne Zweifel bis zu mir kommen musste.
So kann ich sagen, dass die Frauen in meiner Linie immer irgendwie schwermütig waren und das mindestens zwei Generationen vor mir. Doch auch noch weitere Verwandtschaftsmitglieder sind betroffen, nicht nur die weiblichen. Aufgefallen ist es jedoch nie, weil alle einfach weitergemacht haben. Weiter gemacht mit ihrem Leben, ihren Alltag, der Routine, dem Haushalt. Was hinter verschlossenen Türen gesprochen wurde, kann ich nicht sagen. Dennoch, der ein oder andere aufgefangene Blick, die Geste, das Wort sind es, die mir Anzeichen dafür geben, dass die Verzagtheit Einkehr gehalten hat.

Trotzdem; trotz der Weitergabe dieser negativen Gene an mich, bin ich stolz auf meine Vormütter, denn sie haben bis in den Tod bewiesen, dass man es schaffen kann, dass es lohnt zu leben, lohnt aufrecht zu gehen und die schwarzen Wolken vom Himmel zu fegen.

Und am Ende kann uns nur der Tod vom Seelenschmerz befreien.

Sei er hoffentlich noch lange dahin.

2 Kommentare

  • Silvia Gößner

    Oh ja, da ist so viel Wahres daran. Leider wurde es immer nur hinter verschlossenen Türen behandelt, anstatt die Familie mitein zu beziehen. Das war eben die Zeit. In unserer Zeit haben wir jedoch andere Möglichkeiten. Zu einer Psychologin zu gehen, ist zwar längst noch nicht „Salonfähig“, aber auch nicht mehr so abwegig wie früher. Die Vergangenheit auf zu arbeiten ist der Grundstein für die Zukunft. Mit jemanden darüber zu reden, ist allein oft schon Balsam für die Seele. Ich wünsche Dir noch viele schöne Momente der Erkenntnis, auch wenn sie anfangs schmerzhaft sind. Aber es hilft einfach, sich besser kennen zu lernen und ein zu schätzen.
    Liebe Grüße
    Silvia

    • Herbstmeedchen

      Liebe Silvia,
      danke für deine Antwort auf meinen Beitrag. Ich stimme dir voll und ganz zu.

      Liebe Grüße dein Herbstmeedchen

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