Gedankengut

Träume und Albträume

Eine wunderschöne alte Lokomotive, irgendwo in England. Es regnet. Der Schaffner pfeift. Die Fahrt geht weiter. Er pfeift ein zweites Mal. Und ein Drittes. Langsam bin ich irritiert. Ich schlage die Augen auf, liegen in meinem Bett, in meinem Zimmer. Es ist Wochenende. Es pfeift ein viertes Mal. Ich stelle fest, dass meine Nase beim Atmen Töne von sich gibt, weil ich Schnupfen habe.

Dieser lebhafte Traum, indem ich die Realität mit der Fantasie vermischt habe, ist mir in der Jugend erschienen. Seitdem lässt er mich nicht mehr los und ist ein tolles Beispiel für viele verrückte Träume, die ich so in meinem Leben habe.

Schon früh habe ich mich intensiv mit der Traumdeutung beschäftigt und auch im Abitur darüber philosophiert. Mein Bücherregal besitzt mindestens zwei Fachbücher zu dem Thema.

Träumen ist unglaublich wichtig.

Wer nicht träumt hat keine Fantasie.

Kann kein Kind sein, ist nicht empathisch und hat keine Motivation für die Zukunft. Wer träumt kommt im Leben weiter. Es gibt Menschen, denen in Träumen Lösungen vorgekommen sind, für Probleme im Alltag oder sie haben den Traum als Anstoß genommen, um im Leben etwas zu ändern.

Träumen kann nämlich ganz wunderbar sein. Im Traum kann man seinen Alltag und bestimmte Situationen verarbeiten, sogar Krisen überwinden. Im Traum hat man das perfekte Leben, ist ein Superheld, kann fliegen, spricht alle Sprachen, redet mit Tieren, schafft man Fantasiewelten. Träumen ist eine Flucht aus dem Alltag.

Deswegen kann man sowohl nachts träumen als auch tagsüber. Hier spricht man von Tagträumen. Meistens gibt man sich den Gedanken hin, während man wach und nur leicht schläfrig ist. Man lässt sein Gedankenkarussell ein wenig im Kreis drehen. Nachts sind die Träume hingegen weniger gesteuert. Wir träumen nur in der sogenannten REM-Phase (rapid eye movement = schnelle Augenbewegung), die kurz nach dem Einschlafen oder kurz vor dem Aufwachen, aber keinesfalls in der Tiefschlafphase entsteht. Deswegen können wir z.B. Töne, wie im oben beschriebenen Traum mit einbauen. Wir können so ziemlich alles was sich in der Umgebung befindet unterbewusst mit einbauen. Das kann auch der sich hin und her wälzende Partner oder der schnarchende Hund sein. Aber das bedeutet nicht, dass ein zufällig zusammengewürfelter Traum nicht gesteuert werden kann.

Ich würde mich als erfahrener Träumer bezeichnen. An guten Tagen träume ich jede Nacht und erinnere mich kurze Zeit daran. Es ist übrigens völlig normal, dass wir unsere Träume ziemlich schnell aus dem Gedächtnis löschen, da unser Hirn das alles gar nicht aufnehmen könnte. Außerdem stimmt es, dass JEDER Mensch auch JEDE Nacht träumt, aber es gibt Personen, die behauptet, sie träumen nie. Sie können sich schlicht und ergreifend nicht daran erinnern.

Jedenfalls sind meine Träume häufig ein bunter Haufen Kuriositäten gepaart mit bekannten Situationen, Orten und Menschen. Manchmal habe ich auch eine Art Déjà-Vu im Traum oder am Tag und weiß nicht, was zuerst da war. Manche Träume träume ich sogar öfter mit Abwandlungen. Dies sind dann meist nicht ganz so schöne Träume.

Deswegen spreche ich jetzt über Albträume.

Den Albtraum finden wir nicht so schön. Er ist gespenstisch, macht und Angst, versetzt und in Zustände, in denen wir niemals sein möchten. Während ich als Jugendliche öfter geträumt habe, vom Dachbodenfenster geschubst zu werden, haben sich die Träume im anfänglichen Erwachsenenalter stark geändert. Ich habe sogenannte realistische Träume. Dabei kann mein Hirn nicht fassen, dass es nur ein Traum ist und lässt meinen Körper Dinge ausführen, wie z.B. Schreien. Es ist eine „harmlose“ Unterform des Schlafwandelns. Ich setze es deswegen in Anführungsstrichen, weil es für mich nicht harmlos ist.

Begonnen hat alles mit Spinnenträumen. Ich habe echt Angst vor Spinnen und bekomme teilweise Panikattacken, wenn ich von ihnen überrascht werde. Umso schrecklicher ist es, wenn sie plötzlich neben mir auf dem Nachttisch krabbeln, oder über meine Bettdecke oder aus der Steckdose kommen etc. Bei all diesen Situationen bin ich meistens gerade erst eingeschlafen (was ich aber nicht weiß, ich denke immer noch ich bin wach und grüble etwas nach, merke aber, dass ich wegdrifte), und sehe Schemen artig oder hell und deutlich das Schlafzimmer in dem ich mich befinde. Und dann tauchen eben eine oder mehrere Spinnen auf und machen irgendwas. Das Ganze ist nur ein Bruchteil von Sekunden, aber für mich die harte Realität. Wie tagsüber reagiere ich dann auch nachts mit wilder Panik, schreie, bekomme Herzrasen und taste nach dem Lichtschalter. In fast allen Fällen war oder ist mein Mann anwesend. Nur allein er schafft es, mich vollkommen aus dieser Situation rauszuholen. Natürlich ist er in jenen Momenten genauso geschockt wie ich, weil ich ja plötzlich wilde Urschreie von mir gebe, aber er ist sofort wach und kennt das ja schon und kann mir dann so helfen. Sollte ich in so einen Moment alleine sein, hilft wirklich nur das Licht. Und obwohl ich dann genau weiß, dass ich da Licht gerade erst selbst angeknipst habe, brauche ich teilweise Minuten, um mich davon zu überzeugen, dass keine Spinnen im Bett sind, da ich sie ja (taghell) gesehen habe im Schlafzimmer (bei völliger Dunkelheit).

Inzwischen habe ich zum Glück keine Spinnenträume mehr oder nur noch sehr sehr selten. Es waren etwa sechs bis sieben an der Zahl und alle unterschiedlich. Sogar in unterschiedlichen Wohnungen und einmal in einer Ferienwohnung. Verteilt auf mehrere Jahre. Laut Traumdeutung ist die Spinne ein sehr spirituelles Tier und will einem nix Böses. Sie zeigt einem auf, dass man ein Problem bewältigen muss.

Doch während jetzt die einen aufatmen, dass ich keine Spinnenträume mehr habe, sage ich euch, dass es weitaus schlimmer geht. Normalerweise habe ich mit Esoterik nichts am Hut, doch inzwischen (und damit haben leider nicht nur meine Träume was zu tun) komme ich nicht umhin, es zuzulassen, dass da doch was Abergläubisches oder Spirituelles in mir wohnt, ohne komplett verschroben zu wirken. Ihr wisst was ich sagen will (ich umarme keine Bäume oder so.) Zumindest habe ich angefangen meine Träume zu lesen. Denn egal wie schlimm der Traum ist, er muss eine Bedeutung für mich haben.

Jedenfalls sind diese realistischen Träume in eine ganz schlimme Richtung gegangen. Einmal hockte des Nachts auf meinem Körper ein dunkles (vielleicht verbranntes) Menschlein, Kind, Erwachsener, Kreatur und starrte mich an. Leider werde ich dieses Bild nie wieder vergessen. Ein anderes Mal kam ein Netz auf mich zu. Die Reaktionen sind bei mir immer die Gleichen. Schreien oder unverständliche Wort sehr lauten Rufen. Oft erinnere ich mich gar nicht an das Schreien oder so. Aber manchmal habe ich den Nachhall in den Ohren und weiß wie laut oder wie hoch ich geschrien habe. Danach kann ich erstmal nicht schlafen. Ich habe richtige Angst. Zum Glück ist mein Mann immer da.

Und jetzt vor einiger Zeit hat es seinen Höhepunkt erreicht, weswegen ich jetzt über dieses Thema schreibe, da ich hoffe, dass die Träume dann aufhören.

Ich habe innerhalb von einer Woche dreimal und nach einer Woche Pause dann noch einmal, also insgesamt vier realistische Träume gehabt. Das hatte ich noch nie. Plötzlich steht neben mir ein Mann. Am Bett. Und schaut mit einer mir nicht aufschlussreichen Miene. Leute, ich sag euch, das wollt ihr nicht erleben. Vor Monaten habe ich geträumt, dass ein Mann in unserem Schlafzimmer war und feste zugepackt hat, obwohl es nur der Arm von meinem Ehemann war, der sich doof gedreht hatte. Aber nun steht da ein alter Mann mit Zopf in der Ecke und starrt mich an. Scheinbar habe ich meinen Urschrei wieder gemacht, mein Ehemann mich aus dem Traum geholt und ich konnte noch sagen: „mach das Licht an“. Inzwischen schaffe ich es nämlich mir der Realität schneller bewusst zu werden. Aber sag das mal meinem Herzen, das fast einen Infarkt bekommt. Auch beim zweiten Mal war die Situation ähnlich. Beim dritten Mal war irgendwas, ich habe eine „Präsenz“ gespürt, aber nichts gesehen und es hat mich nicht so geängstigt, dass ich schreien musste. Ich hatte mich wohl hingesetzt und kurz meinen Mann umklammert. Beim vierten Mal auch.

Nur, dass es mich inzwischen so fertig gemacht hat, dass ich echt Angst habe, zur Zeit schlafen zu gehen. Ich, die wegen eines Kleinkinds völlig ausgelaugt ist und schlafen muss, ich die es liebt zu träumen. Ja, ich habe Angst. Vor diesem Moment des Einschlafens und des Sehens und nicht zwischen Wahrheit und Traum unterscheiden zu können. Ich fange tagsüber an Hirngespinste zu bekommen, habe völlige Paranoia, wenn ich weiß mein Mann ist nachts nicht anwesend. Und das schlimmste daran ist: ich kann nichts dagegen tun.

Wenn sie kommen, dann kommen sie die Träume. Da hilft auch mein Traumfänger nicht mehr oder das gute Zureden zu mir selbst, dass alles okay ist. Denn ich muss erst was verarbeiten, was ich nicht kenne, damit diese Träume aufhören.

Eine weitere Blogartikelempfehlung zu diese Thema findet ihr bei janineblogt.com unter diesem link.


So und nun ihr: wie steht ihr zu dem Thema, wie sind eure Erfahrungen. Habt ihr Tipps oder sogar Lust auf einen privaten Austausch. Ich höre euch gerne zu.

 

4 Kommentare

  • Janine

    Träume, oh ja auch ich kann von mir behaupten eine Träumerin zu sein, sowohl am Tage als auch Nachts. Jeder träumt genau so ist es, aber ich bin eine von denen, die sich auch daran erinnert.
    Ich besitze 2 Traumdeutungsbücher und das schon sehr lange, eine Zeitlang hatte ich auch mal Block und Stift auf meinem Nachtisch liegen, um mir den Traum sofort nach dem Aufwachen notieren zu können. Weil obwohl ich mich daran erinnere so hält die Erinnerung nicht lange an.
    Zudem habe ich auch das Buch (ich komme jetzt nicht auf den Titel) womit man lernen kann seine Träume zu steuern, das ist aber wirklich sehr kompliziert aber interessant. Ich erinnere mich noch, dass ich als Kind im Bett gelegen habe, die Augen zu gemacht habe und Themen in Bildern gesehen habe und mir dann ausgesucht habe wovon ich träumen möchte.

    Albträume habe ich ein Glück selten. Ich meide auch Horrorfilme, weil nach einem Horrorfilm hatte ich immer ca. 2 Wochenlang Albträume.
    Jetzt kommt es ab und zu auch vor und ich weiß wie schlimm das für dich sein muss so einen Traum regelmäßig zu haben. Ich schreibe dann auch und mein Mann weckt mich, nimmt mich in den Arm und sagt das alles gut ist.

    Auch kommt es vor, dass ich im Schlaf spreche, also das mein Traum total real ist und ich mich unterhalte, das muss aber kein Albtraum sein.

    Generell möchten Träume einem ja etwas sagen. Durch die Träume spricht dein Unterbewusstsein zu dir und spricht die Dinge an, die du nicht verarbeitet hast. Also scheinst du irgendetwas nicht verarbeitet zu haben, wenn du im Moment immer denselben Traum hast.
    Ich hoffe das du da bald hinter kommst und du bald wieder schöne Träume haben wirst.

    Ganz lieben Gruß!
    Janine
    janineblogt.com

    • Herbstmeedchen

      Liebe Janine,
      vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar.
      Dann stehe ich ja nicht alleine mit dem Thema da. Irgendwie treffe ich sonst nur Menschen, die das Träumen verlernt haben, sich nicht dafür interessieren oder meinen, dass sie nicht träumen.
      Ich hoffe auch, dass es bald eine Lösung gibt und meine Träume mal pausieren, also diese Albträume.

      Liebe Grüße
      Sarah das Herbstmeedchen

  • Silvia Gößner

    Liebe Sarah, das ist in der Tat schrecklich. Ich kenne die Angst vor dem Einschlafen. Ich hatte früher viele schlimmer Albträume, die mir gezeigt haben, dass meine Lebensumstände nicht gut waren. Ich komme aus einem gewalttätigen Elternhaus und hatte auch eine gewalttätige Ehe. Die Träume hielten auch noch an, als ich die Beziehungen zu diesen Personen beendet hatte. Erst als in Anfing, diesen Personen zu verzeihen, nicht was sie taten, aber zu verstehen, warum sie es taten, hörten die Albträume auf. Heute habe ich keine mehr, oder ich erinnere mich nicht. Mein jetziger Lebenspartner sagt nur, dass ich manchmal Nachts zu zittern anfange, aber nicht einmal aufwache, wenn er mich in den Arm nimmt. Die Nähe allein beruhigt mich dann, aber das hat viele Jahre gedauert. Ich bin froh, keine mehr zu haben. Aber Tagträume lebe ich gerne, auch schöne Träume habe ich immer wieder einmal. Meist sehr anschaulich.
    Ich wünsche Dir, dass Du auch wieder zur Ruhe kommst, und Nachts deine Kraft sammeln kannst. Bei mir brennt auch immer ein kleines Nachtlicht, so dass ich nie völlig im Dunkeln schlafe. Das brauche ich einfach.

    Liebe Grüße Silvia

    • Herbstmeedchen

      Liebe Silvia,
      ich bedanke mich für deine Offenheit und den Einblick in deine (schlimme) Vergangenheit. Um so mehr freue ich mich, dass es dir nun gut geht, du einen Weg gefunden hast, es zu verarbeiten und du nun in den Armen einen Mannes schlafen kannst, der dich beschützt.
      Ich wünsche dir nur gute Träume!
      Liebe Grüße
      Das Herbstmeedchen Sarah

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