Mutter werden

Schwangerschaft – schwanger und geschafft

Mutter. 1,5 Jahre bin ich jetzt Mutter. Je öfter man das Wort „Mutter“ sagt, desto merkwürdiger hört es sich an. Butter, Kutter, Luther…
Ich bevorzuge da doch eher Mama. Weil ich meine Mutter auch „Mama“ genannt habe und es einfach persönlicher klingt.

Seit einiger Zeit schwirren mir viele Gedanken um die Mutterschaft, die Kindeserziehung und alles, was mit dem Thema zusammenhängt durch den Kopf. Instagram ist hier ein guter Anzünder. Erst kürzlich habe ich nachdenkliche Beiträge zum Thema „Druck wegen der Arbeit“ oder „Gewalt gegen Kinder“ gelesen. Schon länger denke ich darüber nach, ein wenig über meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse zu berichten, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft und den Folgen stehen. Die Berichte auf Instagram haben mir den Antrieb gegeben und deswegen werde ich in nächster Zeit die Themen aufgreifen und auf HERBSTMEEDCHEN darüber schreiben.

Was macht Mama sein eigentlich aus? Zuerst einmal, dass man schwanger war (geht natürlich auch bei Adoption) und dann, was viel wichtiger ist: das Kind anzunehmen, zu lieben und dafür zu sorgen, dass es versorgt ist. Zum Thema Grundbedürfnisbefriedigung werde ich in einem späteren Bericht was zu schreiben. Fangen wir zuerst einmal bei der Schwangerschaft an.

Ob man ein Kind haben möchte und schwanger werden will, bleibt einem ganz allein überlassen und dem Partner natürlich, sofern es eine geplante Schwangerschaft werden soll. (Alternativen wie ungewollte Schwangerschaften etc. lasse ich hier raus, da ich zu diesen nichts schreiben kann.) Gerade nach der Heirat wird von verschiedenen Personengruppen häufig die Frage gestellt, wann man den gedenkt Kinder zu haben. Doch diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten, wenn man selbst noch jung und vor allem nicht bereit zu dem Thema ist. Manchmal spielen auch berufliche, räumliche oder finanzielle Gründe mit.

Da mein Mann  und ich recht jung geheiratet habe, kam der Kinderwunsch lange nicht in Frage. Es gab sogar Zeiten, in denen ein Kind in der Zukunft unvorstellbar war. Dann widerum gab es Momente, in denen besonders ich mit mir gehadert habe. Als Mensch mit Angst vor Schmerzen, kam eine Schwangerschaft und eine Geburt mir vor wie eine Horrorvorstellung. Und diese bewusste Panik lies mich viele Jahre in den Glauben, dass wir keine Kinder haben werden. Doch eines Tages, quasi über Nacht platzte der Knoten und ich besprach dies mit meinem Mann. Zu meinem Erstaunen, war er dem Kinderwunsch nicht abgeneigt und schlug vor, es direkt auszuprobieren. Trotz jahrelanger Hormonverhütung wurde ich nach dem zweiten Versuchsmonat sofort schwanger, was ein Arzt mir schnell bestätigte. Eine Eisprung-App war tatsächlich sehr hilfreich beim Erkennen der fruchtbaren Tage. Bitte bedenkt, dass ein „Baby machen“ mehr Arbeit ist, als Freude. Da man den Ansporn hat schwanger zu werden und keine Rückschläge erleiden möchte, es nicht oft genug probiert zu haben, wird jeder gute Zeugungsmoment genutzt, inklusive fördernde Gymnastikübungen für danach.

Und: jeder normale Mensch rennt nach dem Sex auf die Toilette, um das Sperma abzulassen.

Das machst du in dem Moment nicht mehr. Auch wenn es ekelig ist. Sagen wir einfach wie es ist…

Jedenfalls klappte es bei uns recht schnell und somit war die „Arbeit“ dann erstmal getan. Doch dann kommen neue Situationen ins Spiel, über die nie jemand spricht. Da ich sehr schlank bin, hatte ich schon in den ersten Wochen mit starken Unterleibsschmerzen zu kämpfen. Die Mutterbänder dehnen sich aus und Krämpfe erster Güte sind vorprogramiert. Man bekommt Magnesium vom Frauenarzt verschrieben. Davon bekommt man aber Durchfall, wenn man es nicht gewohnt ist. Also lässt man es wieder weg und lebt mit den Schmerzen. Rückenschmerzen gehen damit einher. Die Hormonumstellung beginnt, die Frau wird weinerlich und man passt in die ersten Kleidungsstücke nicht mehr richtig rein. Der Busen wächst, der Bauch auch.

Das Thema mit dem Bauch ist in der Schwangerschaft ohnehin eine Sache. Ich mag zum Beispiel grundsätzlich nicht gerne angefasst werden und besonders in der Schwangerschaft musste ich mich vor übergriffigen Händen schützen. Die Menschen in meinem engeren Umfeld haben es schnell verstanden und gar nicht erst versucht, aber plötzlich kommen auch wildfremde ältere Frauen auf dich zu…
Allerdings hatte ich das Glück einen so kleinen Bauch zu haben, dass ich ihn selbst im Sommer gut verstecken konnte. Es hat lange gedauert, bis ich meine Schwangerschaft so akzeptiert habe, dass ich glücklich war.

Doch die meiste Zeit war geprägt von Schmerz und Unwohlsein. Wie schon in einem älteren Beitrag erzählt, kann ich keine Tabletten nehmen und habe Angst vor Nadeln. In der Schwangerschaft hat beides jedoch, ohne mit der Wimper zu zucken, gut funktioniert. Auch die gesunde Ernährung, sowie ein ausreichender Wasserzufluss hat wunderbar geklappt. Leider waren das die wenig positiven Dinge. Nur 2% der Schwangeren bekommen Ischias-Probleme. Und ich war bei den 2%. Der Rücken schmerzte dauerhaft, ein Stehen, ein Gehen, ein Sitzen, ein Liegen: nicht möglich. Dazu wurde das rechte Bein einfach taub. Ich musste zum Osteopathen und unangenehme Übungen über mich ergehen lassen. Gebracht hatte es trotzdem nichts, da das Kind einen Nerv eingeklemmt hatte.
Da ich meinem Arbeitgeber recht schnell von meiner Schwangerschaft berichtet hatte, hat man versucht es mir so angenehm wie möglich zu gestalten. Doch nach kurzer Zeit musste ich meine Stunden reduzieren, bis hin, dass ich ein Arbeitsverbot bekommen habe.

Schon früh sagten meine Ärztin und meine Hebamme mir, dass ich ein Kind in einer super Entwicklung und top Lage habe, es aber danach aussieht, dass sie früher kommen wird. Und genauso früh fingen bei mir Übungswehen an. Ich hatte drei oder vier Monate lang täglich mehrfach Wehen. Und wenn man nicht weiß, wie sich Wehen unter der Geburt anfühlen, dann sind Übungswehen schon hart. Besonders nachts, wenn du eine falsche Bewegung machst und du weißt, dass du dich unter Schmerzen und Krämpfen aus dem Bett rollen musst, weil nur dann die Schmerzen weggehen. Zum Glück hatte ich diese Wehen immer fix unter Kontrolle, aber nochmal brauch ich das nicht. Zum Schluss haben sie mich überall überfallen. Im Geburtsvorbereitungskurs, im Museum oder einfach nur so. Wenigstens hatte ich keine Schwangerschaftsübelkeit oder sonstige Probleme. Nur das ständige Pinkeln müssen, hat irgendwann zusätzlich genervt. Ob ich Schwangerschaftsgelüste hatte? Ich weiß es nicht genau.

Wassereis war diesen Sommer sehr angesagt und plötzlich habe ich wieder Obst vertragen, was mir vor der Schwangerschaft vergönnt war.

Ich war froh, meine Kliniktasche früh gepackt zu haben. Es wird geraten diese ab der 36. Schwangerschaftswoche zu packen, da ab diesen Zeitpunkt das Kind fristgemäß kommen könnte. Eine Frau ist in der Regel 40 Wochen schwanger. Im Schnitt bekommen die meisten Frauen aber ihr Kind eher ein bis zwei Wochen später. Eine Geburt zwischen der 36. und 40. Woche gilt als reife Geburt und wird somit nicht als Frühchen angesehen. Das Kind ist in diesem Stadium voll ausgereift. Aufgrund dessen, dass mir schon früh angedeutet wurde, dass es sich bei meinem Kind um ein schnelles Kind handeln könnte, haben wir uns sowohl mit der Ausstattung rund ums Kinderzimmer, Babykleidung und auch Kliniktasche frühzeitig gekümmert. Auch den Termin zum Geburtsvorgespräch hatten wir bereits in der Wunschklinik hinter uns gebracht.

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Und natürlich war es nachts und mein Mann knapp eine Stunde entfernt arbeiten…


Nächste Woche geht es weiter. Dranbleiben!

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