Gedankengut

Schluss mit den Entschuldigungen!

Ich hab es satt. Ich habe echt keine Lust mehr darauf, mich ständig rechtfertigen zu wollen und entschuldigen zu müssen. Und wofür? Dafür, dass ich so bin wie ich bin?

Eigentlich entschuldigen wir uns doch ständig:

  • Dafür, dass der Hund im Garten bellt, weil er vor Freude außer sich ist.
  • Dafür, dass das Kleinkind nachts weint, weil es Hunger hat.
  • Dafür, dass man einen guten Job macht.
  • Dafür, dass man kein Sport macht und trotzdem schlank ist.
  • Dafür, dass man sich ein neues Auto gekauft hat.
  • Dafür, dass…

Ja ich könnte diese Liste endlos weiterführen. Es ist doch immer das Gleiche. Man lebt in den Tag hinein, geht seinen Gewohnheiten nach, ahnt nichts Böses und hinter der nächsten Ecke lauert schon das schlechte Gewissen.

Besonders dolle merke ich das in den sozialen Medien. Ich bin viel auf Instagram unterwegs. Dort sind viele unterschiedliche Leute, mit unterschiedlichen Charakteren, unterschiedlichen Interessen und unterschiedlichen Aussehen. Dann postet man ein Bild von sich. Durchschnittlich gut, aber eben man selbst. Positive Kommentare wie hübsch man sei und wie gut man das gemacht hat. Freut mich. Danke. Später dann, in Privatchats zum Beispiel, kommen dann so Sachen wie: „Ich wäre sooo gerne wie du. Du bist so schön dünn, oh toll, so tolle lange Beine, wahnsinn. Du siehst auch so halb verhungert aus (positiv gemeint) etc.“ Und schon beschleicht mich das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen. Ich mache meinen Körper schlecht: „Ach, das ist gar nicht so toll. Glaub mir, dass will man nicht. Du siehst auch fantastisch aus. Etc.“

Warum tue ich das? Warum nehme ich das nicht einfach als Kompliment und sage „Danke“ oder „ja stimmt, du hast recht. Es ist toll so schön dünn zu sein.“? Ja, warum sage ich das nicht? Vielleicht weil es verletztend dem Gegenüber wäre, weil es unecht klingt oder abgehoben?

Szenenwechsel.

Meine Blogs laufen gut. Insbesondere mein Literaturblog nimmt sehr an Fahrt auf. Das freut mich. Ich habe gute Arbeit geleistet. War schließlich auch eine Menge Arbeit, das Ganze aufzubauen. Ich schaue mich auf Facebook um, werde Mitglied in geeigneten Bücherbloggergruppen, stelle mich vor und bedanke mich für die Aufnahme. Nicht mehr und nicht weniger. Plötzlich: „Aha, du bist also der lesenswerteste Literaturblog! Gut zu wissen. #bescheidenheit.“ und weiter: „Findest du nicht, dass du anderen damit auf dem Schlipps trittst?“.

Äh nein? Warum bitte das? Nur weil mein Slogan so heißt und ich zu meiner Arbeit stehe und sie wirklich gaaaanz toll finde? Und ja, ein bisschen think big ist nunmal auch dabei. In der Bloggerszene musst du dich eben abheben.

Aber es geht weiter. Kritik wie schlecht mein Blog doch designed sein und so. Nichts in Richtung konstruktive Kritik. Einfach nur: „Du bist kacke.“ Zumindest kommt es so an. Und ich habe nichts besseres zu tun als zu sagen: „Jaaaa, designtechnisch bin ich selbst noch nicht ganz zufrieden.“ Wirklich Sarah? Hast du das so gesagt? Ja, habe ich. Warum, weiß ich auch nicht.

Anstatt dem Ganzen Widerstand zu leisten, hüpfe ich mit meinen Kritikern in ein Boot und rase den Wasserfall hinunter Richtung Niveaulosigkeit.

Ich mache mich wieder schlecht. Entschuldige mich quasi für meinen Blog.

Neuer Punkt:

meine Familie. Dazu gehören ein Mann, ein Kleinkind und ein Hund.

Mein Hund springt leider jeden an vor Freude. Das ist mir unangenehm. Dafür entschuldige ich mich. Mein Hund bellt, wenn es klingelt. Entschuldigung. Mein Hund spielt im Sommer im Garten mit dem Ball und ist dabei etwas lauter. Schnell nehme ich ihn den Ball weg, weil es eventuell die Nachbarn stören könnte. Wie bitte? Es hat sich doch noch niemand beschwert. Warum lasse ich dem armen Kerl nicht seinen Spaß? Das sollte ich zukünftig lassen. Und außerdem wissen alle Leute in der Umgebung, dass mein Hund sie nur anspringt, wenn sie sich nicht runterbücken, um ihn zu streicheln, sondern ihn quasi auffordern hochzukommen, um ihn zu streicheln. Also wozu sollte ICH mich entschuldigen?

Mein Kind ist ein Jahr alt und es kommt vor, dass es nachts weint, manchmal auch ein bisschen lauter. Wir versuchen schon schnellst möglich aus dem Schlaf nach oben zu jumpen, um es zu beruhigen. Mein Mann hat anfangs immer das Fenster geschlossen, weil er die Nachbarschaft damit nicht aufwecken wollte. Und auch ich habe mich an manchen Tagen unaufgefordert bei einigen Nachbarn entschuldigt, für die nächtliche Unruhe. Und wisst ihr, was die geantwortet haben? „Wir haben nichts gehört. Und außerdem gehören Kinder nunmal zur Gesellschaft dazu.“

Tja, wie man sieht, macht man sich selbst manchmal mehr ein Kopf, wie andere. Also wozu grundlos entschuldigen oder sich für Dinge rechtfertigen, in denen man gut ist. Vielleicht hat man manchmal einfach Angst, überheblich zu wirken, wenn man zu dem steht was man tut.

Kürzlich habe ich mal etwas länger über mein Blogging mit einer Freundin gesprochen, was ich eigentlich nicht oft mache. Als ich zu Hause war, habe ich mich dafür entschuldigt! Sie fand es hingegen mal sehr erfrischend. Es ist also okay, wenn man sich mal positiv darstellt. Es ist okay, der beste im Job zu sein, während die Kollegen ablosen.

Man darf auch mal ruhig den Großkotz raushängen lassen. Ohne sich zu entschuldigen!

Man darf auch mal mit dem neuen Auto, der neuen Tasche, dem Urlaub oder seinem Erfolg angeben, es überall zeigen. Wenn die Menschen um einen herum ein bisschen Verstand haben oder besser noch, einen persönlich kennen, dann wissen sie auch, wie es gemeint ist und was dahinter steckt.

Und ich möchte mich zukünfig einfach nicht mehr dafür entschuldigen, dass ich schlanker bin, wie andere und, dass ich dafür weder aufs Essen verzichten, noch Sport treiben muss. Aber dies ist ein anderes Thema.

Wofür entschuldigt ihr euch andauernd und wie wollt ihr damit zukünfitg umgehen?


Jetzt auch zum Hören: der Herbstmeedchen – Podcast

2 Kommentare

  • FAIRY TALE GONE REALISTIC

    Hallo liebe Sarah,
    ich verstehe gut, was du meinst, und ja, wir sollten uns nicht dauernd rechtfertigen oder entschuldigen – schon gar nicht für Dinge, auf die wir eigentlich stolz sind. Generell finde ich, man sollte zu sich und seiner Arbeit stehen – sich dabei aber nicht über andere stellen bzw. arrogant sind.
    Deinen Slogan würde ich aber zum Beispiel nicht als arrogant bezeichnen, sondern einfach als Marketing – Mein Blog ist schließlich auch „der kreativste Blog rund um Mode, Lifestyle und Nähen“ 😉
    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg
    Susanne

    • Herbstmeedchen

      Liebe Susi,

      ich freue mich, dass du mich auf meinem Blog besuchst 🙂
      Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich die Idee mit dem Superlativ im Subtitle von dir „geklaut“. Fand das so gut und deshalb dachte ich: think big!

      Liebe Grüße
      Dein Herbstmeedchen Sarah

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