Norm & Individualität

Arbeitslosigkeit und die ganz kleine Hoffnung – Teil 1

Arbeitlosigkeit! Wie ein Damoklesschwert hängt es über deinem Kopf. Du hast das Gefühl, jeder sieht dir an, dass du keinen Job hast.

Arbeitslosigkeit ist wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Und ich spreche hier von Leuten, die unverschuldet arbeitssuchend sind und dringend eine neue Stelle haben möchten. Leute wie mich. *

Man könnte schon fast sagen, ich bin ein Profi als „Arbeitssuchender“. Trotz meiner 29 Jahre und meiner 10 Jahre Berufserfahrung, habe ich schon 8 mal den Job wechseln müssen, zu Letzt aufgrund von Insolvenz.

Wie man sich dabei fühlt? Was glaubt ihr denn? So richtig elend und durch den Kakao gezogen.

Doch holen wir mal ein bisschen aus.

2006: aufgrund meiner Ausbildung ziehe ich nach Hamburg. Ich wollte im Ruhrgebiet bleiben, irgendwas mit Werbung machen, aber hier gab es nix und keiner wollte mich. Also wurde ich Buchhändlerin im Versandhandel. Dort arbeitete ich eng mit der Assistentin der Geschäftsführung zusammen. Ich wollte so sein wie sie.

Dann zog es mich zurück zu meiner Familie. Weil ich keine Berufserfahrung hatte, fing ich im Call-Center an. Das Dümmste was eine Anfang -Zwanzigjährige machen kann. Zur Not frisst der Teufel Fliegen. Doch es passte nicht zu mir, anderen Menschen einfach etwas aufzudrängen, also verabschiedete ich mich recht schnell.

Erste Mal Arbeitslosigkeit. Kein Problem, genug gespart, nebenbei gejobbt am Empfang eines Pflegeheims.

Die armen Menschen…

Ehemann kennengelernt, Umzug, wieder Call-Center. Diesmal über eine Personalvermittlung. „Sie müssen stets für alles offen sein und auch Zeitarbeit machen. Sie bekommen einen Vermittlungsgutschein.“, mahnte die Arbeitsagentur. Nachteil, diesen Gutschein bekam man erst nach einem halben Jahr „zu Hause rumsitzen“. Zum Glück war ich diesmal im Geschäftskundenservice und die Leute riefen mich an. Ein halbes Jahr später war ich einfach nur tierisch unterfordert.

Arbeitslosigkeit Nummer zwei. Nur kurz. Zeitarbeit. NIE WIEDER! Trotz Anforderung des Arbeitsamtes. Ich wurde in einen Betrieb gesteckt, dessen Branche mir so fremd war, wie die chinesische Sprache, dessen Arbeitsklima unter aller Sau war und ich bekam dort keine Einarbeitung.

An dieser Stelle will erwähnt sein, dass ich auf keinen Fall doof bin und mir seither vieles alleine beibringe.

Ende vom Lied: „Die passt nicht!“ Zeitarbeitsfirma so: „OK, schmeissen wir die ganz raus und zerschreddern noch ihre Lohnsteuerkarte und tun so, als ob sie die nie bei uns abgegeben hätte. Achja und wir machen nen Vermerk, dann sperrt das Arbeitamt ihr auch noch die Bezüge.“

Und ja, das ist wirklich passiert. Zum Glück, hatte ich Zeugen, dass ich meine Lohnsteuerkarte wirklich abgegeben hatte und auch das Arbeitamt konnte ich auf meine Seite bringen. Den Ärger und die Rennerrei zum Finanzamt, hatte aber ich.

Wieder arbeitslos.

Dann der Durchbruch. Ich landete in der Modebranche und wurde endlich Assistentin der Geschäftsführung. Mein neuer Titel war geboren. Eine Weile ging alles gut. Doch es gab mir zu Bedenken, dass in diesem kleinen Zwölf-Mann-Betrieb während meiner eineinhalb Jahre, dort zehn Leute gingen und wiederum zehn Neue kamen. Die Fluktuation war enorm. Der Grund = Der Chef.

Auch mich traf es dann irgendwann.

Erneute Arbeitslosigkeit. So langsam schlich sich bei mir das Gefühl ein, dass ich eine gewisse Aufgabe hatte, die hieß: „Versuche innerhalb weniger Jahre, die meisten Jobs zu ergattern.“ Nur, dass ich mich in dieser Rolle nicht wohl fühlte.

Zumindest kannte ich nun die Verfahren bei der Agentur für Arbeit aus dem FF.

Dann kam eine Pattsituation. Eine Situation, die Fluch und Segen zu gleich ist und die ich gar nicht gerne mag.

Zwei Firmen wollten mich auf einmal haben. Jetzt hieß es, sich richig entscheiden. Doch welche nehmen? Die Firma aus der Nähe, die eher unspektakulär schien, aber sicher oder die Stelle, die Spritzigkeit und Neuerung versprach?

Ich Trottel nahm natürlich die falsche Stelle an und entschied mich für die abwechslungsreiche Eventagentur. Doch wer denkt, dass es sich hierbei um das coole planen und organisieren von Events handelte, der hat weit gefehlt. Mehrere Stunden Autofahrt und kiloweise Material schleppen, Stand aufbauen und die Leute auffordern eine Mitgliedschaft bei einer Bank zu beantragen. Aus der Traum.

Nach einem Monat bettelte ich die Alternativfirma um eine zweite Chance an und hatte Glück.

Wieder war ich Assistentin der Geschäftsführung, die Bezahlung war gut, die Kollegen nett, die Chefs super, die Arbeit interessant und die Firma lag auch noch wohnortnah.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht vom Pech verfolgt würde.

Nach einer gewissen Zeit fingen die Chefs an zu streiten, wessen Assistentin ich eigentlich sei, denn es sollte noch eine Schwesterfirma in der Gastronomie eröffnet werden, in der ich die Verwaltung übernehmen sollte. Mich fragte übrigens keiner. Denn noch bevor ich in die neue Firma übergeben wurde, zeichnete sich ab, dass es mit Dieser finanziell nicht ganz so gut bestellt war.

Ich war also nach einem Jahr in dem einem Unternehmen, plötzlich an einem ganz anderen Standort weiter weg, mit neuem Vertrag, in einer neuen Branche beschäftigt. Ich betrieb eine One-Man-Show. Und es kam wie es kommen musste. Die Firma ging pleite und ich ging mit dem Schiff unter.

Und nun stehe ich hier wieder: vor der Arbeitlosigkeit, angeprangert am Marterpfahl.

Doch wie in allen übrigen Situationen, lasse ich mich nicht unterkriegen. Ich schäme mich für keine meiner Tätigkeiten und bin froh, über die Erfahrungen, die ich sammeln durfte, dass ich die ganzen Einsichten in die verscheidenen Branchen hatte und mit so unterschiedlichen Leuten in Kontakt gekommen bin. Man zehrt davon und bekommt eine gewisse Kenntnis über den Arbeitsmarkt. Das versuche ich mir zu Nutze zu machen.

Ich bemühe mich fast täglich um einen neuen Job und selbst die beim Arbeitsamt erkennen meine Bemühungen an, aber was nützt mir das, wenn ich Mitte des Monats schon im Minus stehe?

Ich brauche einen Job und zwar einen, der was taugt!

*Nachtrag: mittlerweile bin ich wieder in Arbeit.

Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen gemacht oder befindet sich in einer akuten Job-Krise?

Erzählt mir darüber.


Jetzt auch zum Hören: der Herbstmeedchen – Podcast

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